Erfahrungsbericht: So abwechslungsreich kann eine Woche in der Wirtschaftsprüfung sein

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Montag

ǀ Die Woche beginnt für mich gut: mit Home-Office. Das gibt mir die Möglichkeit, in meinem persönlichen Tempo in die Woche zu starten. Denn so richtig wach bin ich meist ab 9.00 Uhr – und auch erst nach 2 Tassen Kaffee. Das geht auch anders, sitzt manch eine/r von uns auch gern schon um 7.00 Uhr am Rechner. Ein Hoch auf unser Gleitzeitmodell und die Individualität, denn so verschieden wie unsere Lieblings-Arbeitszeiten sind wir auch als Team: unterschiedliche Lebensalter und Professionen mit ganz unterschiedlicher Berufserfahrung.

Ich selbst bin seit eineinhalb Jahren als Bankspezialistin bei der CASIS und war sehr gespannt auf meinen Berufseinstieg, doch am Ende war vieles anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Vielleicht hatte ich eine homogene Gruppe zahlenaffiner Menschen in dunklen Business-Outfits erwartet. Was mich erwartet hat, waren durchaus zahlenaffine Menschen, aber zugleich so verschiedene Persönlichkeiten, wie sie ein interdisziplinäres Team ausmachen: vom kreativen Kopf über die pragmatisch Analysefreudigen bis zur humorvollen Wortkünstlerin – businesstauglich gekleidet, ja, aber nicht ohne eine angenehme Note persönlichen Stils und eine gewisse Lässigkeit. Schnell fühlte ich mich wohl!

Fachlich wurde ich genauso gut aufgenommen wie im Team. Nach der Einarbeitung ging es direkt los: mit einer Mischung aus dem Anwenden von Bekanntem, dem Erlernen von Neuem und begleitender Unterstützung, aber auch einer Bestärkung darin, Herausforderungen anzunehmen. So lernte ich schnell die Mandanten und Einsatzgebiete der CASIS kennen und kann sagen, als Bankspezialistin ‚angekommen zu sein‘. Als solche stehe ich in engem Kontakt mit unseren Mandanten und führe die Prüfungen der Internen Revision eigenverantwortlich durch, zusammen mit dem jeweiligen Prüfungsteam.

Im Zuge meines zweiten Kaffees ist es inzwischen 08.45 Uhr geworden; ich checke meine E-Mails und den Terminkalender. Um 09.00 Uhr telefoniere ich erstmal mit Simone. Simone ist bei der CASIS Projektleiterin sowie meine aktuelle Prüfungsleitung und sie begrüßt mich mit einer montäglichen Energie, die erschreckend und faszinierend zugleich ist – denn ja, sie gehört eher zur Fraktion ‚7 Uhr‘. Umso besser, denn entsprechend schnell haben wir nochmal kurz den Fahrplan für diese Woche abgestimmt, sodass ich mich direkt an die Arbeit machen kann: die Unterlagendurchsicht im Rahmen der Aufbauprüfung. Das heißt, ich prüfe die im Rahmen der Prüfung vom Mandanten angeforderten Unterlagen auf Vollständigkeit und Plausibilität, als Basis für das nachmittägliche Kick-Off-Gespräch mit dem Mandanten. In diesem sprechen wir über die Prüfungsinhalte und die zugelieferten Unterlagen, was als offizieller Start der Prüfung anzusehen ist. Danach wähle ich die Stichproben aus und beginne auch schon mit der Stichprobenziehung.

Und ehe ich mich versehe, ist es Zeit für Feierabend, den ich mit einem Rückenschule-Programm einleite, das ich mir über unser Sportangebot ausgesucht habe.


Dienstag

Als Prüfungsteam arbeiten wir heute vor Ort beim Mandanten in Köln, was Fluch und Segen zugleich ist. Einerseits lockt uns diese wunderbare Stadt immer wieder, zumal wir den Mandanten schon viele Jahre begleiten und wir uns auf ein Wiedersehen freuen. Andererseits müssen wir wegen der Entfernung auch etwas früher los und treffen uns daher direkt am Bahnhof. Simone ist schon da – und hellwach. Ich kämpfe noch etwas damit, freue mich aber, sie und Lars zu sehen. Lars ist nämlich unser Dritter im Bunde, ebenfalls Bankspezialist und zu unserem Prüfungsteam, Schwerpunkt IT, gehörig.

Die Fahrt gestaltet jeder anders: Ich sehe mich gemütlich in die Morgensonne fahren und lesen. Manch eine/r nutzt die Zeit gern zum Arbeiten oder holt Schlaf nach. Manchmal ist uns auch nur nach quatschen, was spannend ist, wenn man Dinge vom anderen erfährt, die im Arbeitsalltag oft untergehen. Mein eigener Weg aus dem BWL-Studium in die Wirtschaftsprüfung – mein Schwerpunkt ist das Risikomanagement – war sicher eher geradlinig. Aber während Lars z. B. über Umwege zur IT gekommen ist und bei der CASIS seine berufliche Laufbahn begann, viel Neues lernend und Entwicklungspotenzial sehend, blickte Simone, als sie zur CASIS kam, schon auf viele Jahre Berufserfahrung im Beratungsfeld der Finanzbranche zurück. Ihr war es vor allem wichtig, sofort loslegen zu können und die bis dato gewonnenen Kenntnisse in einem anspruchsvollen Arbeitsumfeld weiterzuverwenden – natürlich auch mit Neuem verbunden, aber primär bedingt durch einen Wechsel der Perspektive.

Wir wechseln jetzt auf jeden Fall unser Fortbewegungsmittel, denn wir haben Köln erreicht und steigen in die U-Bahn; kurz danach kommen wir beim Mandanten an. Nun legen wir los: Hallo sagen, Getränke holen, Rechner hochfahren und weiter mit der Aufbauprüfung. Wir widmen uns der Durchsicht und Prüfung aller relevanten Arbeitsanweisungen, immer vor dem Hintergrund der Einhaltung gesetzlicher und aufsichtlicher Anforderungen. Damit machen wir auch nach der Mittagspause weiter und gehen im Falle etwaiger Rückfragen direkt auf die Mitarbeiter vor Ort zu. Es ist gerade dieser persönliche Kontakt auf Augenhöhe – und zwar nicht nur mit den Fachbereichen, sondern auch mit Leiterinnen und Leitern oder der Geschäftsführung – der uns Spaß und die CASIS ausmacht. Und der Tag läuft: Wir kommen gut mit allem voran und werden zur Feierabendzeit noch mit Sonne beschenkt. So spazieren wir am Rhein zu unserem Hotel, nicht ohne zwischendurch noch auf ein Kölsch eingekehrt zu sein.


Mittwoch

Heute steht für uns die Funktionsprüfung der mandantenseitig eingerichteten Kontrollen und unserer gezogenen Stichproben an. An manchem halten wir uns etwas auf, denn es entstehen noch Fragen, zu denen die Rücksprache mit den Mitarbeitern mehr Zeit beansprucht, als abzusehen war; außerdem fehlen immer noch ein paar Unterlagen. Wir geben Gas, denn wir wollen den Tag noch bestmöglich nutzen. Unsere Mittagspause fällt daher etwas kürzer aus. Zum Glück ist Lars mit seiner Prüfung so gut vorangekommen, dass er mir noch bei den wichtigsten meiner To-dos unter die Arme greift. Ein kollegiales Team mit dem richtigen Sinn für Unterstützung und Zusammenhalt ist doch ein Segen! So finden wir an dem Tag noch alle einen guten Abschluss und treten am späten Nachmittag die Heimreise an.

Etwas KO bin ich jetzt schon, aber auch zufrieden. Im Projektgeschäft gibt es nun einmal Zeit- und Budgetdruck. Aber unter diesem laufe ich zu Hochtouren auf und merke, was ich an einem Tag alles schaffen kann und wie viel Spaß mir die Abwechslung aus Kommunizieren, Prüfen, Analysieren, wieder Kommunizieren und Resümieren macht. So waren die zwei Tage beim Mandanten intensiv, aber auch sehr effizient – und machen nun Platz für die Vorfreude auf Zuhause. Simone freut sich auf Mann und Kinder, Lars sich auf seine Freundin und ich mich auf eine Joggingrunde mit meinem Hund.


Donnerstag

Heute freue ich mich, im Büro zu sein und suche als Erstes die Küche auf, um mir einen Kaffee zu holen. Und perfekt! Gestern kam der Obstkorb. Ich habe Glück und sichere mir direkt eine Kiwi. Nachdem ich ein paar Leute gesprochen und mir meinen Lieblingsplatz gesucht habe, mache ich weiter mit der Funktionsprüfung, bis mich mein Kalender am späten Vormittag an den Dialog erinnert, unseren CASIS-internen Austausch fernab fachlicher Belange. Hier können wir ansprechen, was uns persönlich wichtig ist – von Themen wie Arbeitsbelastung bis Stiftewahl – und unsere eigenen Ideen einbringen.

Nach der Mittagspause mit den Kolleginnen und Kollegen steht die Sachverhaltserörterung mit dem Mandanten an. Denn basierend auf der Aufbau- und Funktionsprüfung werden unsere Ergebnisse nun zusammengefasst und gemeinsam besprochen. Danach beginne ich mit der Berichtserstellung.


Freitag

Auch am Freitag fahre ich ins Büro, denn ich habe die Hoffnung, möglichst viele aus dem Team zu treffen. Und richtig, als ich ankomme, ist das Büro schon mit vielen freundlichen Gesichtern gefüllt, aber nicht mehr die Kaffeekanne, was ich wiederum bei meinem ersten Gang in die Küche feststelle. Ich setze neuen Kaffee auf und befülle den Kühlschrank großzügig mit Erfrischungsgetränken. Und schon sind es auch nur noch 10 Minuten bis zum Jour fixe, unserem teaminternen monatlichen Meeting zu fachlichen Themen, der Auftragslage, dem Arbeitsstand und personellen Entwicklungen.

Die Stimmung ist gut und es wird viel gelacht; man freut sich, die anderen persönlich oder per Videokonferenz zugeschaltet zu sehen. Danach widmet sich jeder seinen für diesen Tag noch wichtigsten Aufgaben. Bei mir ist es die Fortführung des begonnenen Prüfungsberichts. Zu einigen Punkten habe ich mir ein paar Fragen notiert, die ich kurz vor Feierabend noch mit Simone bespreche. So ist für mich klar, wo ich Montag weitermache, bevor ich mich pünktlich ins Wochenende verabschiede.

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